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Habilitationsprojekt: "Organisation als Institution. Rating-Agenturen in Zeiten globaler Finanzkrisen"

Das Projekt geht kritisch-organisationssoziologisch von der zentralen These aus, dass Rating-Agenturen ein doppelter Herrschaftscharakter zukommt: a) Rating-Agenturen, als Organisationen (im Plural), sind im Rahmen eines globalen Finanz-Settings maßgeblich dafür verantwortlich, Handlungen zwischen Menschen, anderen Organisationen – u. U. sogar Staaten – zu produzieren und zu konfigurieren. Dies können sie nur deshalb so tun, weil sie zu Orten der Bündelung von ökonomischen und macht-politischen Ressourcen geworden sind; b) Nicht nur die Rating-Prozesse selbst, sondern auch andere „Handlungen“ der Rating-Agenturen verlaufen im Modus Organisation (im Singular, als „Form“): Hiermit ist die spezifische Art und Weise gemeint, vermittels derer Herrschafts-Praktiken innerhalb der globalen Finanzwelt produziert und reproduziert werden, die alternative Formen sozialer Interaktion marginalisieren, wie selbstverständlich ersetzen oder sogar verdrängen. Dieser Aspekt erfordert die Hineinnahme einer makro-institutionalistischen Perspektive in die Organisationstheorie, die in Bezug auf These a) analysiert, wie Rating-Agenturen als Organisationen Akteursstatus erhalten und ihnen damit eine Quasi-Personenschaft zugesprochen wird: Unter welchen Umständen haften etwa sie selbst oder das sie vertretende Management für etwaige Handlungen? Zu b) Hier wird erforscht, wie Organisation – beispielhaft an Rating-Agenturen in Zeiten der globalen Finanzkrise ab 2011 ff. nachvollzogen – zum globalen hegemonialen Modus werden konnte, der seinerseits bestimmte Kontrollen und Steuerungsmechanismen etablierte und somit Institutionalisierungsprozesse entfaltete, Organisation als kognitive Leitregel – auch und gerade „gegen“ andere Leitregeln – auf Dauer zu stellen. Die Arbeit befasst sich unter einer theoretischen Perspektive, die eine „Kritik der politischen Ökonomie der Organisation“, kritische Accountingforschung und diskurstheoretische „Regierungslehre“ miteinander verbindet, mit den beiden o. g. Hauptaspekten. Rating-Agenturen werden auf verschiedenen empirischen Feldern, etwa im finanzmarkt-spezifischen, im historischen, im politischen oder im juristischen Feld, untersucht. Die Arbeit leistet verschiedene Beiträge: Historisch wird an die institutionalistische Kultursoziologie Max Webers angeschlossen, aktuell wird die makro-institutionalistische „Leerstelle“ innerhalb kritischer Organisationssoziologie (im Anschluss an Türk, Meyer, Zucker u. A.) zu schließen versucht; fachintern soll eine nötige Ergänzung innerhalb einer „Soziologie der Finanzmärkte“ (Vormbusch u. A.) um die analytisch fruchtbaren Kategorien „Organisation“ und „Institution“ vorgenommen werden.

frühere Forschungsarbeiten